Nein sagen + loslassen

Jedes neue Jahr bietet die Möglichkeit, einen Neuanfang zu wagen. Manche von uns starten mit dem Wunsch, die Karriere zu wechseln oder an einem anderen Ort ein neues Kapitel aufzuschlagen. Andere möchten ihre Kommunikationsfähigkeiten verbessern, Beziehungen intensivieren oder sich verstärkt um das eigene Wohlbefinden kümmern. Wenn du ähnlich wie ich bist, dann sind deine Träume für das kommende Jahr – ich bevorzuge das Wort „Träume“ statt „Vorsätze“ – von Energie und Begeisterung getragen. Oft bin ich so in meine Visionen vertieft, dass ich vergesse, innezuhalten und auf die prägenden Erfahrungen, Erfolge und gemeisterten Herausforderungen des letzten Jahres zurückzublicken. 

Egal, was du dir für das neue Jahr vorgenommen hast – um Raum für Neues zu schaffen, ist es notwendig, Altes loszulassen.

Es ist Zeit neu zu verhandeln

Um wirklich loszulassen, müssen wir oft „Nein“ sagen – ein Wort, das für viele Frauen herausfordernd ist. Die Sorge, wie Kolleginnen, Familienmitglieder oder Freundinnen reagieren könnten, wenn wir unser Leben neu gestalten, hält uns oft zurück. Wir fürchten, als egoistisch zu gelten oder unsere Verantwortung zu vernachlässigen, wenn wir uns um unsere eigenen Wünsche kümmern und klare Grenzen setzen.

Was machen wir stattdessen? Wir laden uns immer mehr Projekte auf, obwohl wir wissen, dass wir sie nicht alle bewältigen können. Wir verzichten auf Pausen, um durchzuatmen oder nach Unterstützung zu fragen, weil wir denken: „Ich habe zugesagt, jetzt gibt es kein Zurück!“ Das Ergebnis? Wir verlieren an Glaubwürdigkeit bei den wichtigen Personen in unserem Umfeld und fühlen uns ausgebrannt, erschöpft und frustriert.

Doch egal, ob du im Beruf oder privat überfordert bist – du kannst und solltest deine Verpflichtungen neu verhandeln. Hier sind ein paar praktische Schritte, um die Ängste zu bewältigen, die beim Nein-Sagen aufkommen können.

  • Innehalten + Atmen: Bevor Du eine Veränderung angehst, halte inne und schaffe dir mentalen Raum für Reflexion. Fokussiere dich auf deinen Atem – tiefe Atemzüge beruhigen dein Nervensystem und helfen dir, die Situation klarer zu betrachten, um anschließend bewusst handeln zu können.

  • Selbstbewusstsein aufbauen: Der erste Schritt, um dein Verhalten zu ändern, ist zu verstehen, warum es dir schwerfällt, Nein zu sagen. Denke an eine Situation, in der du Ja gesagt hast, obwohl du lieber Nein gesagt hättest – aktiv oder passiv. Überlege neutral, ohne dein Verhalten zu bewerten oder zu verurteilen: Welche Glaubenssätze oder Emotionen haben deine Entscheidung beeinflusst und dich zurückgehalten? Wie war das Ergebnis? Gab es eine Möglichkeit, die Situation neu zu verhandeln? Wenn ja, was hat dich daran gehindert, es zu tun?

  • Ziele klären: Wenn du weißt, wozu du Ja sagen möchtest, fällt es dir viel leichter, Nein zu sagen. (In meinem nächsten Blogbeitrag werde ich diesen Schritt genauer beleuchten.) Überlege dir, was du erreichen möchtest und wie du dich fühlen willst, wenn du deine Ziele verwirklicht hast. So kannst du bestehende Beziehungen oder Situationen einfacher neu verhandeln.

  • Führe ein Gespräch: Es mag offensichtlich erscheinen, doch viele von uns scheuen sich davor, ehrlich über das zu sprechen, was nicht funktioniert. Die Angst vor Ablehnung, das Verletzen anderer oder als arrogant wahrgenommen zu werden, hält uns oft zurück. Bereite dich vor dem Gespräch gut vor: Nimm dir 30 Minuten, um dich zu sammeln und dir bewusst zu machen, warum dieses Gespräch wichtig ist.

  • Erkenne, wann es Zeit ist, loszulassen: Wenn du dir die Zeit nimmst, und Raum schaffst, deine Ziele zu klären und dich zu zentrieren, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass dein Gegenüber dein „Nein“ anerkennt und respektiert. 
    Falls deine Grenzen und Erwartungen auch nach dem Gespräch ignoriert werden und du etwas tun sollst, das deinen Grundbedürfnissen widerspricht, steht dir eine wichtige (grundlegende) Entscheidung bevor. 

STELLE DIR FOLGENDE FRAGEN:

  • Opfere ich ein grundlegendes Bedürfnis (nach Sicherheit/Stabilität oder Individualität/Selbstverwirklichung) zugunsten dieser Beziehung?

  • Was erlebe ich nicht (verliere ich), wenn ich in dieser Situation bleibe?

  • Was bin ich bereit, für diese Person/Job/Gelegenheit zu opfern?

  • Wenn ich wirklich ehrlich zu mir bin, ist das tatsächlich das, was ich will?

Diese Fragen sind herausfordernd und erfordern tiefgehende Selbstreflexion. Manche von uns sagen über Jahre hinweg Ja, bevor der Instinkt zur Selbstfürsorge einsetzt und wir erkennen, dass wir vollständig loslassen müssen. Zu diesem Zeitpunkt sind wir oft bereits körperlich, emotional und geistig erschöpft. Der Schlüssel liegt darin, frühzeitig zu lernen, wie man den Kurs ändert, bevor es zu spät ist.

In meinem nächsten Beitrag werde ich darauf eingehen, wie du alle Bereiche deines Lebens, die nach einem großen Ja verlangen, nähren und erweitern kannst.

Bis dahin: Wenn du einen Plan für dein Leben gestalten möchtest, aber nicht weißt, wie du Nein sagen und loslassen kannst, melde dich bei mir für ein Gespräch.

Übersetzt und bearbeitet. Englische Erstveröffentlichung: 7. Januar 2020: The Wisdom of Saying No: Setting Boundaries + Expectations

Zurück
Zurück

Journaling Im Coaching